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Beziehungskrise trotz Liebe: Ist unsere Beziehung vorbei?

14. Aug.
5 Min. Lesezeit

Ihr liebt euch noch. ABER ihr streitet wegen Kleinigkeiten, habt kaum noch Sex und sprecht hauptsächlich darüber, wer die Kinder abholt und warum schon wieder keine Milch da ist.


Du vermisst deinen Partner, deine Partnerin, obwohl er:sie neben dir sitzt.


Beziehungskrise

Manchmal stellst du dir vor, wie es wäre, alleine zu leben. Endlich Ruhe.


Niemand, über den du dich ärgern musst.

Niemand, von dem du ständig enttäuscht wirst.

Und dann lacht ihr gemeinsam über irgendeinen Blödsinn oder du siehst ihn mit euren Kindern und denkst:


Verdammt. Da ist doch noch etwas.


Wie kann man einen Menschen lieben und gleichzeitig nicht mehr wissen, ob man mit ihm zusammen sein möchte?


Eine Beziehungskrise trotz Liebe bedeutet nicht automatisch, dass eure Beziehung vorbei ist. Sie bedeutet zunächst:

Liebe ist noch da. Aber die Beziehung, die ihr gerade miteinander führt, funktioniert so nicht mehr.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Lieben wir uns noch?


Sondern:


Können und wollen wir aus dieser Liebe wieder eine Beziehung machen, in der wir beide gerne leben?


Kann man sich lieben und trotzdem unglücklich miteinander sein? (Beziehungskrise trotz Liebe?)


Ja. Absolut.


Liebe und Beziehungszufriedenheit sind nicht dasselbe.


Du kannst deinen Partner, deine Partnerin lieben und dich trotzdem:


  • nicht gesehen fühlen,

  • emotional alleine fühlen,

  • nach jahrelangen Enttäuschungen zurückgezogen haben,

  • nach einer Affäre nicht mehr sicher fühlen,

  • durch die gesamte Verantwortung erschöpft fühlen,

  • nicht mehr begehrt oder berührt fühlen,

  • in euren Konflikten immer wieder verlieren,

  • als Mutter, Vater oder Organisationsteam erleben, aber nicht mehr als Paar.


Nicht unbedingt die Liebe ist verschwunden. Sie ist unter Verletzungen, unausgesprochenen Bedürfnissen, Mental Load, Rückzug und jahrelangem Funktionieren begraben.


Die Beziehung kann also beschissen laufen, obwohl ihr euch liebt.

Aber, und das ist wichtig, Liebe allein macht eine Beziehung noch nicht lebbar.


Ist unsere Beziehung vorbei, oder stecken wir nur in einer Krise?


Von innen kann sich beides sehr ähnlich anfühlen. Du bist erschöpft. Du hast keine Lust mehr auf dieselben Gespräche. Vielleicht fühlst du kaum noch etwas oder bist nur noch wütend. Jeder Annäherungsversuch deines Partners, deiner Partnerin nervt dich, gleichzeitig verletzt es dich, wenn gar keiner kommt.


Ich kann nicht noch einmal hoffen und wieder enttäuscht werden.

Deshalb ist die wichtigste Unterscheidung nicht:


Haben wir gerade Probleme?


Sondern:


Was für eine Krise ist das und wie gehen wir damit um?


Vier unterschiedliche Arten von Beziehungskrisen


1. Eure Beziehung ist erschöpft

Ihr seid nicht unbedingt falsch füreinander. Ihr seid möglicherweise einfach komplett am Anschlag.


Kinder, Arbeit, finanzielle Sorgen, Care-Arbeit, Schlafmangel, pflegebedürftige Eltern oder jahrelanges Funktionieren haben eure Paarbeziehung langsam aufgefressen.

Ihr seid ein ziemlich gutes Team, aber kaum noch ein Paar.


Typische Anzeichen:

  • Ihr sprecht fast nur noch über Organisation.

  • Körperliche Nähe findet kaum statt.

  • Für tiefere Gespräche fehlt euch die Kraft.

  • Gemeinsame Zeit wird immer wieder verschoben.

  • Ihr habt wenig Interesse am Innenleben des anderen.

  • Einer oder beide sehnen sich nach Ruhe statt nach Nähe.

  • Ihr erinnert euch kaum daran, wann ihr zuletzt gemeinsam Spaß hattet.


Eine erschöpfte Beziehung ist nicht automatisch vorbei. Aber sie erholt sich auch nicht dadurch, dass ihr auf den nächsten Urlaub wartet.

Denn meistens reist der ganze Scheiß einfach mit.

Hier braucht es nicht sofort mehr Romantik. Es braucht zuerst Entlastung, ehrliche Bestandsaufnahme und die Entscheidung, die Paarbeziehung wieder ernst zu nehmen.


2. Eure Beziehung ist verletzt

Vielleicht gab es eine Affäre, eine große Lüge oder einen massiven Vertrauensbruch. Vielleicht war es aber auch nicht das eine große Ereignis.

Vielleicht waren es hundert kleine.

Nicht eingehaltene Versprechen.

Jahrelanges Abwinken.

Sexuelle Zurückweisung.

Abwertende Kommentare.

Immer wieder alleine gelassen werden.Gespräche, die mit Hoffnung begonnen und mit derselben Enttäuschung geendet haben.


Irgendwann streitet ihr dann scheinbar darüber, ob die Spülmaschine falsch eingeräumt wurde.


In Wirklichkeit lautet die Frage:

Bin ich dir wichtig genug, dass du mich endlich ernst nimmst?

Bei einer verletzten Beziehung ist häufig noch sehr viel Gefühl da. Deshalb tut es auch so weh.

Gleichzeitig reicht es nicht, sich zu sagen: „Wir lieben uns doch.“


Verletzungen brauchen:

  • eine klare Anerkennung dessen, was passiert ist,

  • Verantwortung ohne Rechtfertigung,

  • Raum für Wut, Schmerz und Fragen,

  • nachvollziehbare Veränderungen,

  • Zeit,

  • neue Erfahrungen von Verlässlichkeit und Sicherheit.


Ihr könnt nach einem Vertrauensbruch nicht einfach zur alten Beziehung zurückkehren.


Die alte Beziehung hat euch genau hierhergebracht.

Die Frage ist, ob ihr bereit seid, eine andere aufzubauen.


3. Eure Beziehung steckt in einer destruktiven Dynamik

Einer kritisiert, der andere verteidigt sich.

Einer fordert ein Gespräch, der andere zieht sich zurück.

Je mehr sie nachfragt, desto mehr macht er zu. Je mehr er zumacht, desto lauter wird sie. Am Ende fühlen sich beide bestätigt:


„Mit dir kann man nicht reden.“

„Egal, was ich mache, es ist falsch.“


Solche Muster sind häufig nicht bewusst gewählt. Beide versuchen, sich zu schützen und lösen dabei genau das beim anderen aus, wovor sie selbst Angst haben.

Problematisch wird es, wenn eure Beziehung dauerhaft von folgenden Verhaltensweisen bestimmt wird:


  • Abwertung und Verachtung,

  • persönliche Angriffe statt Kritik an einem Verhalten,

  • ständige Rechtfertigung,

  • Schweigen als Bestrafung,

  • Drohungen mit Trennung,

  • Sarkasmus auf Kosten des anderen,

  • Anschreien und Beleidigungen,

  • emotionale Kälte nach Konflikten.


Langzeitstudien bringen destruktive Konfliktmuster wie Beleidigungen, Kritik, Feindseligkeit und Verachtung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit späterer Trennungen in Verbindung. Gleichzeitig zeigt die Forschung: Nicht jeder Konflikt ist gefährlich. Entscheidend ist, wie Paare miteinander streiten und ob sie nach Konflikten wieder Verbindung herstellen können.


Eine destruktive Dynamik bedeutet nicht automatisch, dass ihr euch trennen müsst.

Aber Liebe wird auf Dauer nicht reichen, wenn ihr euch in jedem Konflikt gegenseitig emotional zerlegt.


4. Eure Beziehung ist nicht mehr tragfähig

Manche Beziehungen sind nicht nur erschöpft oder verletzt.

Sie sind nicht mehr sicher oder lebbar.


Das kann der Fall sein, wenn:

  • du Angst vor den Reaktionen deines Partners hast,

  • körperliche oder sexualisierte Gewalt vorkommt,

  • du kontrolliert, bedroht oder systematisch eingeschüchtert wirst,

  • deine Wahrnehmung ständig verdreht wird,

  • wiederholt gelogen oder betrogen wird und keine Verantwortung folgt,

  • deine Grenzen bewusst ignoriert werden,

  • Verachtung und Demütigung zum Alltag gehören,

  • nur du versuchst, etwas zu verändern,

  • dein Partner, deiner Partnerin keinerlei Problem erkennt,

  • du dich in dieser Beziehung immer kleiner machen musst, um Frieden zu haben.

In solchen Situationen lautet die erste Frage nicht:


Wie können wir unsere Kommunikation verbessern?

Sondern:


Was brauche ich, damit ich und gegebenenfalls meine Kinder sicher sind?


Eine klassische Paarberatung ist bei Gewalt, Angst oder massiver Kontrolle nicht automatisch der richtige erste Schritt. Hier braucht es individuelle, spezialisierte Unterstützung.


Ist eure Beziehung vorbei oder braucht sie eine neue Richtung?


Eine Beziehungskrise trotz Liebe bedeutet nicht automatisch, dass eure Beziehung vorbei ist.

Vielleicht ist eure Beziehung erschöpft. Vielleicht liegen zu viele Verletzungen zwischen euch. Vielleicht habt ihr euch in einer Dynamik verfangen, aus der ihr alleine nicht mehr herausfindet.


Ihr liebt euch, aber so geht es nicht mehr weiter?

In einer SOS-Session sortieren wir gemeinsam, was gerade zwischen euch passiert: Ist eure Beziehung erschöpft, tief verletzt oder tatsächlich nicht mehr tragfähig? Und vor allem: Was ist jetzt der nächste sinnvolle Schritt?

Du kannst alleine oder gemeinsam mit deinem Partner kommen, online oder in meine Praxis in Vorarlberg.

Ich freu mich auf dich!

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