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Journaling: Warum Gedanken aufschreiben dein Leben verändern kann

Dein Gehirn erzählt dir nicht immer die Wahrheit


Kennst du diese Tage, an denen dein Kopf einfach nicht still wird?

Du führst dieselbe Diskussion zum zehnten Mal. Malst dir Katastrophen aus. Ärgerst dich über ein Gespräch von gestern. Denkst an etwas, das vielleicht morgen passieren könnte.


Genau deshalb gehört Journaling seit Jahren zu meinem Alltag. Nicht, weil ich besonders diszipliniert bin, sondern weil ich weiß, wie kreativ mein Gehirn manchmal darin ist, Geschichten zu erfinden.


Journaling

Warum Journaling so gut funktioniert


Wenn Gedanken nur im Kopf bleiben, drehen sie sich im Kreis.

Schreibst du sie auf, passiert etwas Spannendes:

Aus einem Gedanken wird ein Satz.

Aus einem Gefühl wird etwas, das du anschauen kannst.

Du schaffst Abstand.

Und genau dieser Abstand verändert oft alles.

Deshalb mache ich fast täglich einen sogenannten Gedankendownload.

Alles raus, völlig unzensiert.

Manchmal sind das kluge Gedanken, manchmal komplettes Drama.


Beides darf aufs Papier.


Was dahintersteckt


Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Probleme zu lösen.

Leider unterscheidet es dabei nicht immer zwischen einer echten Gefahr und einem Gedanken.

Je öfter wir einen Gedanken denken, desto vertrauter wirkt er.

Und Vertrautheit fühlt sich schnell wie Wahrheit an.


Studien zum sogenannten Expressive Writing, unter anderem von James W. Pennebaker, zeigen, dass regelmäßiges Schreiben Stress reduzieren, die emotionale Verarbeitung fördern und die Selbstwahrnehmung stärken kann.


Die unbequeme Wahrheit


Nicht alles, was du denkst, verdient deine Aufmerksamkeit.


Manche Gedanken sind alte Glaubenssätze.

Manche sind Angst.

Manche sind einfach das Ergebnis eines schlechten Tages.


Wenn du jeden Gedanken ungeprüft glaubst, gibst du deinem Gehirn mehr Macht, als ihm zusteht.


Journaling bedeutet nicht, positiv zu denken

Das ist mir wichtig. Ich schreibe nicht nur schöne Dinge. Im Gegenteil ich fluche und jammere, benutze Schimpfwörter wenn ich meine Gedankendownloads durchführe.


So muss ich meine Gedanken nicht sinnlos herumtragen.

Dieser kleine Abschluss hat für mich etwas unglaublich Befreiendes.


Warum Journaling auch Beziehungen verändert


Als Paarberaterin sehe ich immer wieder:

Viele Konflikte beginnen nicht mit dem Verhalten des Partners.

Sondern mit der Geschichte, die wir uns darüber erzählen.


„Er ignoriert mich.“

„Ich bin ihr nicht wichtig.“

„Bestimmt meint sie das gegen mich.“


Wenn du lernst, deine Gedanken erst einmal aufzuschreiben, bevor du sie aussprichst, entsteht oft etwas Entscheidendes:

Klarheit.

Und wer sich selbst besser versteht, kommuniziert auch klarer.


Mini-Übung: Der Gedankendownload

Nimm dir heute zehn Minuten.

Schreib alles auf, was gerade in deinem Kopf ist.

Ohne Punkt.

Ohne Komma.

Ohne Zensur.

Wenn du fertig bist, lies den Text noch einmal und stell dir drei Fragen:

  • Welche Gedanken sind Fakten?

  • Welche sind Interpretationen?

  • Welche möchte ich eigentlich nicht länger glauben?

Mehr braucht es für den Anfang nicht.


Reflexionsfragen


  • Welcher Gedanke begleitet mich gerade jeden Tag?

  • Macht mich dieser Gedanke größer oder kleiner?

  • Würde ich mit einem Menschen, den ich liebe, genauso sprechen wie mit mir selbst?

  • Welche Geschichte erzähle ich mir immer wieder?



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